Wien riecht nach Hund. Der Wind bläst einem den schlechten Atem der Bundeshauptstadt ins Gesicht, während man durch ihre Gassen schlendert. Köterkacke wo man geht und steht, soweit das Auge reicht, vom ersten bis zum letzten Bezirk, ohne Ausnahme. Kleine schwarze Chihuahua-Häufchen, dicke bräunliche Berge, jedwede Couleur und Konsistenz ist vertreten. Manchmal überraschen sie einen selbstbewußt mitten am Gehsteig, manchmal verstecken sie sich hinterlistig unter Zeitungspapier oder Laub, manche sind dezent im Rinnstein platziert.
Über eine halbe Million Hunde leben in diesem Land, allein offiziell 50.000 in Wien, wobei die Dunkelziffer weit höher ist, und mit ihren Exkrementen ließe sich jährlich ein sechs Kilometer langer Gütezug füllen. Leider nur verrichten die Hunde ihr Geschäft nicht in Güterzügen, sondern überall anders. Am liebsten direkt unter unsere Schuhsohlen, Fahrrad- und Kinderwagenreifen.
Natürlich ist es nicht ganz rechtens, die armen Vierbeiner auf ihre Ausscheidungen zu reduzieren. Es gibt weitaus mehr, was ich an Hunden unsympathisch finde. Ihr Fell riecht, wenn es naß wird. Sie sabbern. Sie lecken und schnüffeln an allem herum. Sie sind im Vergleich zu Katzen ständig aufgeregt. Manche bellen, andere beißen und viele tun beides, obgleich es da so ein Sprichwort gibt, das Gegenteiliges behauptet. Ich weiß es besser! Und einige sehen auch noch komisch aus! Viele humpeln, haben tränende Augen oder können keine Treppen steigen, weil genetische Defekte, die bestimmte Menschen schön finden, weiter gezüchtet wurden. Den meisten Hunden traue ich nicht. Sie sind Kriecher, die nach oben kuschen und nach unten wegbeißen. In diesem Punkt sind Hunde schon auch ein bißchen österreichisch.
Das schlimmste an ihnen sind jedoch ihre Besitzer. Nehmen wir jene vornehmen Damen als Beispiel, die zwar gegen genetisch manipulierte Tomaten sind, aber sich nichts dabei denken, Hunde „mit ohne“ Nase hinter sich herzuziehen.
Wer kein Hundehasser ist, sondern wie ich ein aufgeklärter Hundeskeptiker mit Urängsten vor aufdringlichen Fellträgern, muss zugeben, dass sie für das meiste, was sie zum Feindbild macht, nichts können. Unterhalb einer Elite engagierter Hundekenner tummeln sich Millionen von Menschen, die lieber Kakteen oder Gartenzwerge Gassi führen sollten. Was können die Tiere dafür, wenn ihre Besitzer sie überall hinmachen lassen? Was können sie dafür, dass dieses öffentliche Ärgernis mit einem Maß an Toleranz übergangen wird, das jede menschliche Minderheit vergeblich für sich proklamiert?
Bürgerbewegungen fordern Ampeln oder reißen Genmais aus, aber niemand wehrt sich dagegen, dass ganze Städte mit Ausscheidungen vermint sind. Pensionisten verpetzen Falschparker und halten Radfahrern in der Fußgängerzone Krückstocke in die Speichen. Aber warum lauern sie nicht in den Büschen und pöbeln Mitbürger an, wenn diese ihren Köter fürs Geschäft in den Park dirigieren? Dabei ist dies eine Ordnungswidrigkeit, die – wie uns seit kurzem etwa eine Milliarde „Nimm ein Sackerl für mein Kackerl“-Aufsteller in Wien erklären – mit Geldbußen verbunden ist.
Würde ich eine Ich-AG gründen, die im Auftrag des Senats Strafzettel an unverbesserliche Hundausführer verteilt, dann könnte ich von den Einnahmen allein in unserem Wohngebiet einen fürstlichen Lebensstil finanzieren. Denn viele angebliche Tierliebhaber gehen irrtümlich davon aus, dass sie sich mit der Hundesteuer ein landesweites Sch… Privileg erkauft haben. Und viel zu wenige Hausbesitzer haben Schilder am Zaun hängen wie jenes, das ich kürzlich in Berlin gesehen habe: „Wenn Sie nicht wollen, dass ich Ihnen auch mal vor die Tür scheiße, nehmen Sie Ihren Hund hier weg!“
Das Schilderprivileg haben die Herrchen. An unzähligen Gartentoren prangt eine unverblümte „Warnung vor dem Hunde“. Warum öffnen Briefträger und andere Besucher solche Türen überhaupt? Sollen sich die Besitzer dieser Schilder ihre Post doch selbst abholen oder von ihrem Hund bringen lassen!
Die Höhepunkte des Hundeswahns bewundere ich regelmäßig in Dokumentationen im Privatfernsehen. Neulich habe ich sogar eine „Tier-Nanny“ gesehen, die neurotische Hunde psychologisch behandelt. Bisher dachte ich, sowas gibt es nur für Menschen wie Madonna, deren Hunde auf der 5th Avenue einkaufen und Kabbala-Bänder um den Hals tragen. Aber auch bei uns fühlt sich auch Fiffi aus Pinkafeld etwas matt und braucht dringend eine Akupunktur. Zahlt das die Kasse?
Wenn ich beim Joggen von einem freilaufenden Hasso gestellt werde, spazieren dessen Eigentümer meist enervierend gemütlich heran. Wider besseres Wissen behaupten sie dann Dinge wie „Der spielt nur“ oder „Der tut nix“, während Hundi an meinen Schuhen nagt. Manchmal überlege ich dann, Frauchen an meine verschwitze Brust zu ziehen und ihr mit meiner Zunge gründlich übers Ohr zu schlabbern. Doch bisher habe ich der Versuchung stets widerstanden. Diese zivilisationsverdorbenen Spießer würden meine Geste nicht verstehen.












