Können Sie sich das vorstellen? Vorgestern – oder besser in den frühesten Morgenstunden des gestrigen Tages – war ich unterwegs auf einer Höllenfahrt. Und das kam so: Um acht am Abend war man zum gemeinsamen Tagesausklang mit dem Liebsten unterwegs in den vierten Wiener Gemeindebezirk, um dort den Richard und die Julia in deren trauter Behausung zu treffen. Man frönte mehr oder minder freiwillig dem Zusammensitzen bis halb drei in der Früh und machte sich dann orientierungslos, weil man den Vierten ja nicht wie seine Westentasche kennt, auf den Heimweg. Die Worte Richards klangen noch im Ohr: “Einfach links heraus aus der Tür, zwanzig Meter, dann ist da schon ein Taxistand”. Stimmte aber nicht. Stattdessen erspähten wir eine Nachtbushaltestelle, an der sich auch gerade ein Bus zur Abfahrt bereit machte. Kichernd und an wilde Zeiten erinnernd entschlossen der Liebste und ich uns dazu, doch wieder einmal ein wenig “retro” zu sein und mit dem roten Ungetüm gen Heimat zu brausen. Wir erreichten mit letzter Kraft den bereits blinkenden N66, der uns angeblich (!) zum Kärntner Ring und der Oper chauffieren sollte, wo man in den N38 umsteigen und sich gemütlich heimfahren lassen wollte. Doch ach, welch’ Schreck, als man feststellte, daß man in die entgegengesetzte Richtung unterwegs war und plötzlich an der Anzeige im Bus der Name “Schöpfwerk” aufschien! Jetzt aussteigen? Nein, sinnlos, da müßte man ja dann ewig irgendwo herumstehen und warten und hoffen, daß alsbald ein Gefährt in die andere Richtung käme, was selbstverfreilich nie der Fall gewesen wäre. Man hätte ausharren müssen, bis der Bus, dem man just entsprungen, seine Runde gedreht und einen erneut eingesammelt hätte! Man kennt das ja, also gaben wir uns keinen glücklichen Illusionen hin, sondern fügten uns in unser Schicksal und fuhren bis Liesing – und dann wieder zurück. Nach einer Stunde und fünfzehn waren wir an dem Ort angekommen, an dem alles begann. Restart. Nach einer weiteren Viertelstunde erreichten wir die Oper, nach zehnminütigem Warten kam der richtige Bus gen Nußdorfer Platz und weitere fünfzehn Minuten später waren wir endlich am Ziel unserer Reise. Haben Sie mitgerechnet? Eine Stunde, siebenundfünfzig Minuten. Für den “Hinweg” brauchten wir knapp 20 Minuten – inklusive Wartezeit auf die U-Bahn und Bim. Phantastisch, sage ich Ihnen. Phantastisch. Das nächste Mal sch***en wir auf das Schwelgen in alten Zeiten und nehmen uns, wie sich das für Leute in unserem Alter gehört, wieder ein Taxi.
Endstation Liesing
September 1, 2008 · 1 Kommentar
Kategorien: Blabla · Freizeit
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1 Antwort bis hierher ↓
Adalbert // September 1, 2008 um 8:59 pm |
Na geh, so alt bist noch nicht. Selbst ich fahr gelegentlich mit dem Nachtbus. Nur neulich, na einem Firmenevent wollte um 1/2 2 von der Oper schneller nach Hause.