Auf dem History Channel gibt’s eine Serie mit dem Titel „Life After People“. Kürzlich wurde dort der „Immortality Drive“ erwähnt, der aktuell im All herumfliegt. Was ist der „Immortality Drive“? So eine Art hypermoderne Zeitkapsel, erstellt vom Autorenfilmer Richard Garriot, die Nachrichten an unsere Nachkommen resp. Außerirdische enthält, eine Liste der bedeutendsten menschlichen Errungenschaften und die digitalen genetischen Daten einiger „Auserwählter“ unserer Spezies.
Und wer sind nun diese „wenigen Auserwählten“, die uns repräsentieren und ggf. die Grundlage für die Wiederherstellung der menschlichen Rasse darstellen sollen, falls wir uns in die ewigen Jagdgründe bomben oder uns die Erde aus Rache für Jahrzehntelange Verschmutzung verschlingt? Diese zehn:
Stephen Colbert (US-Comedian; weiß)
Physiker Stephen Hawking (weiß) und seine Tochter Lucy (aufgrund einer Charity-Aktion dabei, weiß)
Matt Morgan (Profi-Wrestler, weiß)
Jo Garcia (Playboy Model; Latina, eine Frau!)
Eric Johnson (Musiker, weiß)
Patrice Pike (Musiker, weiß)
Tracy Hickman (Fantasy-Autor, Mann, weiß)
Scott Johnson (Turner, Goldmedaillengewinner bei Olympia ‘84, weiß)
Brian Crecente (Journalist, weiß)
Hier gibt’s ein paar Photos der Herrschaften.
Ok, also 30 % Frauenanteil, eine davon Latina, eine Behinderte. Keine Schwarzen, keine Asiaten, keine Indianer, nichts. Die Zukunft der Menschheit ist also (mal wieder) weiß und männlich. Vornehmlich.
Und was bitte soll an diesen Herrschaften (abgesehen jetzt mal von Hawkins) großartig sein? „Das Beste, was die Menschheit zu bieten hat“? Von wegen, Garriot wollte gleich auch noch die DNA von ein paar Gamern mitschicken, um sein neuestes Game zu bewerben. Tatsächlich ging’s bei dem Projekt um Kohle (wer am meisten zahlt, darf mit ins All) und – klar – um PR. Ein publicity stunt zum Ankurbeln des Verkaufs von Tabula Rasa. Hat nicht funktioniert, übrigens. Bombed.
Aber hey, sollte nicht gerade dann, wenn’s um PR geht, dafür gesorgt werden, daß sich alle potentiellen Zielgruppen des Games auf der Liste der Auserwählten wiederfinden? zumindest in den USA machen laut einer Studie von 2005 schwarze und Latino-Gamer rund 50 % der gesamten Konsolenspielergemeinde aus!
Zudem war Garriots Spiel ein MMORPG – und das dürfte die tatsächliche Zielgruppe noch ein wenig weiter verschieben: 5 Millionen der 7 Millionen WoW-Spieler kommen aus China.
Und diese 30%-Frauenanteil-Geschichte? Sollte eigentlich deutlich drüber liegen, oder?
Was mich aber wirklich stört, ist, daß dieser ganze, mißlungene PR-Dreck öffentliche Gelder verschlingt. Der „Immortality Drive“ wurde via ISS ins All geschickt. Und da zahlt ja auch brav die ESA mit. Und die NASA. Und so. Ich bin wirklich für die Erkundung und Erforschung des Alls und finde die Idee, uns auch „da oben“ ein bißchen bekannter zu machen, ganz ok, aber wenn meine Zukunft in den zehn Menschen da oben liegt, resp. irgendein Alien und / oder unsere Nachkommenschaft glauben gemacht wird, daß wir alle so sind wie die, dann paßt da was ganz gewaltig nicht.









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