Mit den Tags ‘Alltag’ versehene Einträge

Freiheit im MQ!

Juni 8, 2009 · Kommentar schreiben

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In der Mittagspause im Sommer im Museumsquartier sitzen – hat man einen gut gelegenen Arbeitsplatz so wie ich, gehört das zu den Highlights des Bürotages. Und abends mit Freunden in der untergehenden Sonne chillen, sich auf einem Enzi lümmeln und gemeinsam plaudern, lachen, Spaß haben. Das MQ ist genau der richtige Ort.

War der richtige Ort. Dennirgendwelche findigen Leute haben sich etwas ausgedacht, was die Lebensqualität im MQ verdächtig sinken läßt.

War das Areal des Museumsquartiers bisher als Ort der angenehmen Atmosphäre und des entspannten Verweilens geschätzt, an dem man auch mit kleinerem Budget einen gemütlichen Abend mit selbst mitgebrachten Getränken verbringen konnte, herrschen dort mittlerweile andere Regeln:

„1. Das Konsumieren von alkoholischen Getränken, die nicht in den Gastronomie-Betrieben des MQ erstanden und in MQ Mehrwegbechern ausgeschenkt wurden, ist nicht gestattet.“

Doch damit nicht genug: neben Radfahren, Skateboarden und Inlineskaten wurde an diesem Ort der Kultur auch das Musizieren verboten:

„5. Das Musizieren und Abspielen von HIFI Geräten ist nicht erlaubt.“

Interessant auch die Interpretation folgender Regel:

„6. Das Freihalten sämtlicher Zugänge, Gehwege, Stiegen und Stufen ist aus Sicherheitsgründen unbedingt erforderlich.“

Unter Anwendung dieser Regel wurde sogar verboten, auf der Betonstufe um die Bäume zu sitzen.

Dabei handelt es sich IMHO beim MQ um einen „öffentlichen Ort“, der zudem noch durch Steuergelder finanziert wird. Derartige Regeln und Beschränkungen sind faktisch also gar nicht zulässig.

Aus diesem Grund: Erheben wir Einspruch!
Facebook-Group „Freiheit im MQ“
Bring Your Beer – Event
Critical Mass – Diskussion

Kategorien: Alltag · Blabla · Freizeit
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Irgendwie unrund

Mai 11, 2009 · Kommentar schreiben

sad-smiley 24 Stunden sind einfach nicht genug. Ich hetze von einem Ort zum anderen, von einer Aufgabe zur nächsten und dennoch wird der imaginäre Stapel an Arbeit auf meinem imaginären Schreibtisch nicht weniger, sondern scheint sich auf wundersame Weise nur noch weiter zu vermehren. Ich tue tausend Dinge und doch nichts richtig, ich hole Geschenke von der Post und kann mich nicht über sie freuen; jedes Hinsetzen, jedes Durchatmen, jedes kurze Verschnaufen in all der Raserei wird mit dem immer währenden Hintergedanken „Du mußt aber noch das und das und gleich mußt Du los und erledigt ist das da auch noch nicht“ bestraft. Ich nehme mir elendsviele Dinge vor und schiebe doch alles wieder auf – und traue mich gar nicht laut zu sagen, daß ich sicher mal einen Monat nicht laufen war… Frauenlauf = canceled, weil ein 60-Minuten-Ergebnis muß ich mir auf 10 Kilometern nicht öffentlich antun.

Alles ist – ich bin – gerade völlig unrund. Und dabei könnte alles so großartig sein.

Kategorien: Alltag · Blabla · Freizeit · Sport
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Weil wir Dich lieben…. <3

Mai 5, 2009 · 1 Kommentar

Unglaublich herzige Aktion in Dänemark: Polizisten stoppen helmlose Radfahrer in der Innenstadt, nehmen sie mal fest in den Arm und geben ihnen dann Helme.

Brug cykelhjelm, fordi vi elsker dig…

Kategorien: In The News
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Real Tweet

April 17, 2009 · Kommentar schreiben

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Kategorien: Kunst · Web 2.0
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Cha – Cha – Ciao

April 5, 2009 · Kommentar schreiben

1charmin-bear-717426Ich weiß ja nicht, ob das wirklich einen Blogpost wert ist, aaaaaaber: Irgendwie werd’ ich ihn vermissen. Den Bären, nicht das Papier. Vielmehr jedoch läßt die ganze Aktion Kopfschütteln entstehen. SCA, der Marktführer im Hygienepapier-Segment, nimmt seine Lizenz-Toilettenpapier-Marke Charmin vom Markt. Dabei ist erst vor wenigen Jahren mit nicht gerngem Werbebudget zur Einführung massive Markenaufmerksamkeit erzeugt worden. Möchte gar nicht wissen, was allein die TV-Spot-Kampagne nur an Sendezeit gekostet hat! Und so schlecht dürfte das Geschäft IMHO auch gar nicht gelaufen sein…

Anyway,  Charmin wird eingestellt, nach all den Millionen an Werbegeldern, die bislang dafür ausgegeben wurden. Der Bär wird jedoch weiterleben. Er zieht um zur Schwestermarke Zewa, die aus dem gleichen Haus stammt wie Charmin, und wird dort künftig für eine besonders weiche Zewa-Softpapierversion werben.

PS: Wenn Charmin geht, wird es aber nicht eine Klopapiermarke weniger geben. SCA schickt Tempo in die unteren Regionen. Irgendwie… pervers… wenn man sich vorstellt, welche Assoziationen (und v.a. mit welchen Körperteilen) Tempo normalerweise weckt. Menthol-Zusätze wird’s da wohl eher nicht spielen…

Kategorien: Blabla
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Business Spamming

April 5, 2009 · Kommentar schreiben

xing-logo Xing hat ein neues Feature. Vielleicht ist es mir aber auch noch nur nicht aufgefallen, weil mein Spam-Schutz mich bisher vor der Zusendung von „Leute, die Sie mögen könnten“ bewahrt hat. Sollte das so gewesen sein, so hat AntiVir am Freitag erstmalig versagt, und eine eMail von Xing in mein ePostfach gelassen, in der mir die Business-Plattform vier Menschen vorstellt, „die mich anhand Ihres Profils interessieren könnten“. Hallo? Meine Kontakte suche ich mir immer noch selber aus. Und außerdem – wissen Paul H., Katharina F., Christine C. und Herbert K. überhaupt, daß sie mitsamt Photo und Lebenslauf durch die Gegend gespammt werden? Und was sagen sie dazu? Ich sag’ dazu, daß ich das nicht will. Keine „Dating-eMails“ von Xing bekommen und auch nicht wahllos an irgendwelche Menschen verschickt werden, mit denen ich laut irgendeiner Textanalyse irgendwas gemeinsam haben könnte. Nö. Internet ist frei uns so, schon klar, Infos überall, nix ist geheim. Aber ein wenig mehr Respekt vor Daten könnte eine sich „seriös“ schimpfende Plattform schon haben.

Kategorien: Arbeit · Internet
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Twittercizing

April 2, 2009 · 3 Kommentare

twitterAufgestanden. Sportklamotten an. Fertig zum Laufen.

Bin ich laufen gegangen?

Nö.

Ich twittere und schreibe eMails und blogge und lese meine Lieblingsblogs.

Aber ich trage mein Sportzeug. Und das muß doch irgendwie zählen. Verbrennt nicht auch die gute Absicht Kalorien?

Meine Finger bewegen sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit über die Tatstatur. Danke, Frau Koch, meine Lehrerin im Computerkurs in der fünften Klasse. Es kann gar nicht anders sein, als daß ich Kondition und Muskeln aufbaue, während ich twittere.

Warum?

1. Das Outfit (Nike Run, ich liebe Dich dafür, daß Du meinen Po winzig aussehen läßt)
2. Die Geschwindigkeit meiner Finger (s.o.)
3. Twittering ist wie eine lange, ungeordnete und unzusammenhängende Konversation mit einem Haufen Leute, die man nicht kennt. Ziemlich anstrengend. Anstrengung bedeutet, daß man Kalorien verbrennt, nicht?
4. Wenn ich twittere, denke ich über all die Dinge nach, die ich eigentlich tun sollte. Ich stelle mir vor, wie ich laufe. Zum Beispiel. Vorstellungskraft ist SO, SO kraftvoll! Sagen wir das nicht immer den Kindern? Etwas so Kraftvolles MUSS als Training zählen. Meine ich. Wirklich.
5. Außerdem stehe ich hin und wieder vom Schreibtisch auf, wenn ich tweete (oh, ich bin so gut mit der Lingo!). Gehe in die Küche, öffne den Kühlschrank, hole einen Apfel oder so heraus. Wenn das keine Kalorien verbrennt, was dann, bitte?

Also, all Ihr Tweets (Tweople?) da draußen, die Ihr an einem Schreibtisch sitzt, ins Laptop tippt und den lieben langen Tag mitEuren virtuellen Freunden chattet – das ist möglicherweise nicht die beste Wahl für Eure Figur. Aber nicht verzweifeln, Ihr „Twittercized“! Feel the burn!

Kategorien: Blabla · Internet · Web 2.0
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Mach’ dich knackig

März 14, 2009 · Kommentar schreiben

Endlich weiß ich, wie alt ich bin. Ich meine, wie alt ich wirklich bin. Denn wer von der eigenen Ärztin aber als „Frau mittleren Alters“ betitelt wird, entwickelt irgendwann Mißtrauen gegen das eigene Geburtsdatum.

Also ließ ich auf der Internetseite eines großen deutschen Wochenmagazins mein „biologisches“ Alter errechnen. Im Gegensatz zum biografischen darf man hierfür nicht einfach nur gemütlich vor sich hin altern. Man muß die richtigen Antworten kennen im großen Alterstest von „Wer wird Pensionär?“

Esse ich mehrmals täglich Obst und Gemüse? Bete oder meditiere ich regelmäßig? Trockne ich nach dem Duschen auch die Zehenzwischenräume ab? Na, wenn ich dadurch jünger werde. Nach Frage 7 weiß ich, was passiert, wenn ich die Haut auf meinem Handrücken mit zwei Fingerspitzen hochhebe und dann schnell wieder loslasse. Vermutlich brachte es mich mindestens ein halbes Jahr nach vorne, daß ich b) ankreuzen konnte: „Meine Haut tut nicht weh, macht beim Zurückschnippen kein Geräusch und bleibt auch nicht als Hörnchen stehen.“ Entschuldigung, Sie haben da ein Hörnchen auf dem Handrücken, darf ich Ihnen über die Straße helfen?

Auch „einschneidende Erlebnisse“ sollen sich unangenehm auf das biologische Alter auswirken, „z.B. Todesfall, Scheidung, Umzug“. Ach du liebe Lebenszeit! Kein Wunder, wenn demnächst auf den Lastwagen der Umzugsunternehmen der gleiche Warnhinweis angebracht wird wie auf Zigarettenschachteln: „Umziehen kann tödlich sein.“ Und wie viele Greise hat s Bausparkasse wohl schon auf dem Gewissen? Da könnten die neuen eigenen vier Wände schnell aus Eichenholz sein…

Übrigens: Habe ich schon erzählt, daß ich mich immer wie ein Schneekönig, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum auf meinem Joghurtbecher auf meinen Geburtstag fällt? Das war schon immer so, und ich finde mich zugegebenerweise auch etwas schrullig deswegen. Aber führt mir hier nicht die Molkerei meines Vertrauens auf sehr appetitliche Weise meine Sterblichkeit und die meines Milchproduktes vor Augen?

Letztere läute ich allerdings immer vorzeitig ein. Biologisches Alter? Verputzt! Da hat es der Kuh mal gar nix genutzt, von den gesunden Tiroler Almen zu futtern und die Heidelbeeren können von noch so pingelig ausgesuchten Obstbauern kommen.

Mir dagegen liegt noch die Welt zu Füßen. Denn am Ende des Fragebogens erfahre ich mein biologisches Alter. Dank trockener Zehenzwischenräume und schnippig-geschmeidiger Händehaut – so vermute ich frech – bin ich erst 13.

Kategorien: Blabla
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Brutalstmöglichst gesteigert

Februar 20, 2009 · 3 Kommentare

Darf’s ein bißchen mehr sein? Wenn Politik und Werbung Versprechungen machen, dann lassen sie sich nicht lumpen, da wird aus dem Optimalen noch das Optimalste herausgequetscht. Die Superlativierungs-Euphorie kennt keine Gnade, dafür umso mehr sprachliche Mißgeschicke.

Schon als Kind bekam man beigebracht, dass man „das einzige“ nicht steigern könne. „Das einzigste“ gab’s nicht. Das ging einfach nicht. War nicht korrekt. Denn „das einzige“ war schon wenig genug, „das einzigste“ folglich Unfug. Die Eltern haben’s verbessert, der Lehrer hat’s rot angestrichen.

Die Schulzeit ging vorbei, die Wege trennten sich, die einen gingen in die Werbung, die anderen in den Journalismus, und wer für beides nicht taugte, der versuchte sich in der Politik. Hier wie dort wurden die Ermahnungen der Lehrer schnell vergessen, denn man begriff, daß es ohne falsche Superlative nicht geht. Immer sollte man kreativ sein oder innovativ, das läßt sich auf Dauer ohne Drogen und super, super, Superlative nicht bewerkstelligen.

Und was gibt es nicht alles für verrückt steigerbare Wörter! Der totale Krieg war gestern, heute herrscht der totalste Wahnsinn! „Österreichs meiste Kreditkarte“ war sicherlich nur ein Slogan, der bewußt provozierend mit der Sprache spielte. Ob alle, die mit diesem lockeren Spruch bombardiert wurden, das auch so verstanden haben, muß dahingestellt bleiben. Das Bedürfnis, Wörter zu steigern, die sich eigentlich nicht steigern lassen, ist jedenfalls „enormst“. Nehmen wir uns nur ein Beispiel an jenem Rennfahrer in Monte Carlo, der die denkwürdigen Worte sprach: „Gewinnen ist das Maximalste.“ Das könnte übrigens auch als Motto in goldenen Lettern über dem Eingang des dortigen Casinos stehen.

Manche Momente sind zu schön, um einfach nur perfekt zu sein; für sie wurde die Steigerung zum „perfektesten Moment“ erfunden. Und wo wäre die Auto fahrende Bevölkerung ohne „aktuellste Verkehrshinweise“? Vermutlich völligst hinterm Mond. Doch das ist noch gar nichts gegen die Steigerungsfähigkeit des kleinen Wörtchens „optimal“. Wenn es darum geht, Menschen von irgendetwas zu überzeugen, dann ist das Beste einfach nicht bestens genug. „Dies alles garantiert Ihnen beste Beratung und optimalsten Service“, behauptet ein Schweizer Optiker im Internet. Und dabei ist er noch bescheiden, denn man hätte, mit ein bisschen Phantasie, den Bogen durchaus noch weiter spannen können, zur „bestmöglichen Beratung“ zum Beispiel, wenn nicht gar zur „idealsten“.

Dabei bedeutet „optimal“ nichts weiter als „das Beste im Rahmen der Möglichkeiten“, und das kann manchmal sehr wenig sein. Optimal ist nicht dasselbe wie perfekt, und die Steigerung zu „optimalst“ macht es nicht besser. In keinster Weise.

Diverse Computer-Anbieter werben mit der angeblich „optimalsten Hardware“, sinnieren öffentlich über die „optimalste Systemanpassung“ und die „optimalste Datenübertragungsrate“. Eine Firma verspricht sogar die „optimalste, effizienteste und möglichst kostengünstigste Lösung“; da fühlt man sich als Kunde vom König zum Königst befördert.

Apropos König: Schon Ludwig XIV., Frankreichs „L’Etat c’est moi“-Regent, herrschte ja nicht bloß absolut, sondern absolutistisch. Beim Anhängen der Silbe „-istisch“ handelt es sich zwar im strengen grammatischen Sinne nicht um eine Steigerung, sondern bloß um eine Ableitung, doch für unser Ohr hört es sich nach „mehr“ an. In Zeiten von terroristischen Anschlägen durch Glaubenseiferer wird das „-istisch“ gern verwendet, um das Böse, Gefährliche, Unberechenbare zu markieren. Manchem Schreiber ist ein -istisch nicht genug, er geht lieber auf Nummer sicher und verdoppelt den Effekt, auch wenn meistens keine sprachliche Notwendigkeit dazu besteht. Denn was ist, abgesehen von ein paar zusätzlichen Silben, der Unterschied zwischen einem fundamental-islamischen Extremisten und einem fundamentalistischen islamistischen Extremisten? Eines ist immerhin erwiesen: Wörter auf „-istisch“ lösen Alarm aus, da gehen die Leser instinktiv in Deckung.

Das tun sie natürlich auch beim Super-GAU, aber nicht beim stinknormalen GAU. Ohne den Super-Vorsatz vermag der „größte anzunehmende Unfall“ heute offenbar niemandem mehr Angst einzuflößen. Kein Wunder, denn bei all den Hyper-, Ultra- und Megalativen in der Werbung und im Infotainment ist man gegen steigerungsfreie Ankündigungen ganz normaler Katastrophen schon völlig immun.

Eine Fallgrube, in die immer mal wieder jemand stolpert, ist das aus zwei Teilen, nämlich aus Adjektiv und Partizip, gebildete Attribut. Wie herrlich einfach werden da aus „weit reichenden“ Vollmachten erst weitreichendere Vollmachten und schließlich weitreichendste Vollmachten. Die korrekte Steigerung von „weit reichend“ lautet indes „weiter reichend“, „weitest reichend“. Unlängst war in der „Tagesschau“ zu hören, der Ärmelkanal sei eine der „vielbefahrenste“ Seestraßen der Welt, statt „meist befahrenen“.

Im Wissen um diese Fehlerquelle haben die Väter der viel gescholtenen Rechtschreibreform übrigens beschlossen, dass solche Attribute nicht mehr zusammengeschrieben werden. So wurde „weitreichend“ zu „weit reichend“, „schwerverständlich“ zu „schwer verständlich“ und „gutaussehend“ zu „gut aussehend“. Damit man nicht mehr so leicht in Versuchung gerät, den falschen Teil zu steigern. Die Regel lautet: „Ist der erste Bestandteil ein Adjektiv, das gesteigert oder erweitert werden kann, dann schreibt man getrennt.“

Dies wird andere aber nicht davon abhalten, weiterhin von höchstqualifiziertesten Bewerbern, meistbesuchtesten Messen und bestangezogensten Filmstars zu sprechen. So bejubelte ein Plattenkritiker in der „Süddeutschen Zeitung“ das neue Album eines Rap-Sängers als „eines der schnellstverkauftesten der Popgeschichte“.

Hübsch ist in diesem Zusammenhang auch der Kommentar Heiner Geisslers zur Garderobe seiner Parteivorsitzenden Angela Merkel: „Am besten“ sei das klassische unauffällige Kostüm, sagte er, „noch besser der Hosenanzug“. Komparativ als Steigerung des Superlativs, das ist nicht unbedingt logisch, in diesem Fall aber immerhin originell.

Anyway, wer mit Hochstapelei nichts im Sinn hat, wird es begrüßen, wenn nicht alles bis ins Unermesslichste gesteigert wird. Manchmal dient es einer Sache mehr, wenn man auf Komparativ und Superlativ verzichtet und einfach auf dem Teppich bleibt. Den nennen die Grammatikaner übrigens „Positiv“. In diesem Sinne bleibt uns nur, auf positivste Zustimmung zu hoffen. Bestmöglichste Grüße, die Predigerin!

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Satanische Verse

Februar 5, 2009 · Kommentar schreiben

oder: „Gespräche zum grippalen Infekt“

Wie Sie vielleicht wissen, laborierte man an einer Verkühlung. Aus diesem Grunde waren zahlreiche Tage arbeitsfrei und man wollte die unfreiwillig zustande gekommene Freizeit damit verbringen, sich in die Kissen zu knautschen und über der Lektüre von unterhaltsamem, aber wenig anspruchsvollen Boulevard-Journalismus zu gesunden. Doch dieses Vorhaben ließ sich nicht zur Gänze in die Tat umsetzen, schien es doch jemand anderem viel mehr zu beunruhigen, daß man nahezu inaktiv herumlungerte, als alle anderen. Und so klingelte in regelmäßigen Abständen das Telefon und das Gegenüber – ich kann nichts dafür – erinnerte mich sehr an meine werte Frau Mama. Doch lesen Sie selbst:

„Nimmst Du eigentlich Vitamine?“
(Kurzes Grübeln, dann die Identifikation) „Hallo, schön, Dich zu hören. Ich esse Obst.“
„Ich glaube kaum, daß das reicht.“
„So?“
„Aber Du läßt Dir ja eh nichts sagen.“ (Man spürt das Kopfschütteln durch die Leitung)
(Versöhnlich) „Bitte, das stimmt doch gar nicht.“ (Wir wissen es alle besser, aber was soll’s.)
„Vitamin E mußt Du nehmen, als Kapsel oder Pulver. Aus der Apotheke, nicht den Schaß vom Zielpunkt.“
„Hmm, hmm, ich werde mich darum kümmern.“
„Wann?“
HEAST! (in Gedanken; laut: ) „Heute am Nachmittag, jetzt bin ich noch im Bett.“
„Am besten nimmt man sowas schon bevor man krank wird…“
„Ich kann doch nicht hellsehen! Huh, es ist Samstag und ich glaube, morgen wird’s mir nicht so gut gehen…“
„Ach geh bitte, was redst denn da schon wieder für an Blödsinn? Bist doch wirklich ein Scheusal, manchmal. IM-MER sollst Du das nehmen. Auch weil Du ja rauchen mußt…“
„Ich weiß eh, was Du meinst. Und ich rauche seit vier Tagen nicht.“
„Endlich mal ein gute Nachricht. Solltest Dich ein bißchen ausrasten.“
„Wollte ich ja gerade, bevor Du anriefst, aber jetzt muß ich zur Apotheke und mich wegen meines Nikotinkonsums schämen.“
„Also wirklich. Du schläfst jetzt besser ein bißchen. Dann redest Du auch nicht soviel Blödsinn. Gute Besserung, Bussi, Baba.“

Zwanzig Minuten später sind mir just die Augen zugefallen. Das Telefon klingelt erneut.

„Ich bin’s wieder. Die Sonne kommt gerade ‘raus. Bei Dir auch?“
„Ich weiß nicht, ich schlafe.“
„Oh, entschuldige. Aber ich dachte, Du wärst auf dem Weg zur Apotheke..“ (kichert fast hysterisch)
„Sehr witzig, wirklich.“
„Nicht wahr?“ (kichert immer noch)

Nach einem weiteren Anruf entschloß ich mich aufzustehen, weil das alles ja eh keinen Sinn hatte. Ich ging ins Bad, um einer wichtigen Verrichtung nachzugehen, da klingelte es erneut. Unsexy mit festgehaltener Hose spurtete ich zum Telefon. „WAS?“, rief ich laut und nicht unbedingt höflich hinein. „Moosbacher, UPC Telekabel. Ihr Chello Digital sollte jetzt wieder funktionieren…“

Kategorien: Alltag · Blabla
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