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Wanted: Erfolgserlebnis

Juni 13, 2009 · 1 Kommentar

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Da fährt man so dahin und denkt sich, daß man nicht mal schlecht unterwegs ist, Gegenwind und so, und trotzdem wacker voran, und dann ziehen da plötzlich andere Fahrer an einem vorbei und werden in der Ferne zu kleinen Punkten. Kurz der Gedanke, man könne sich an ihre Fersen heften, aber nix da, das wird nichts, nicht mal annähernd.

Einmal kann man damit ja noch leben, hey, das sind Typen, die haben halt mehr Kraft als ich, schon klar, aber beim zweiten Mal ist das dann schon ein echter Egokratzer. Vor allem, wenn man alle Kräfte mobilisiert und mal so 10 km/h draufpackt auf das, was man da eh schon fährt. Man kämpft kurz, fühlt sich genau 10 Sekunden ziemlich „w00t„, und geht dann richtig in die Eisen, sobald man wieder hergebrannt wird. Weil wenn man schon für andere so offensichtlich dahinschneckt, dann braucht man auch kein Watt mehr verschwenden, sondern hebt sich die Energie lieber für’s Hirnzermartern auf. So wie jetzt.

Ich glaub’, ich brauch’ ein neues Hobby. Sticken. Häkeln. Backen. Irgendwas in dem Tempo.

Kategorien: Sport
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Irgendwie unrund

Mai 11, 2009 · Kommentar schreiben

sad-smiley 24 Stunden sind einfach nicht genug. Ich hetze von einem Ort zum anderen, von einer Aufgabe zur nächsten und dennoch wird der imaginäre Stapel an Arbeit auf meinem imaginären Schreibtisch nicht weniger, sondern scheint sich auf wundersame Weise nur noch weiter zu vermehren. Ich tue tausend Dinge und doch nichts richtig, ich hole Geschenke von der Post und kann mich nicht über sie freuen; jedes Hinsetzen, jedes Durchatmen, jedes kurze Verschnaufen in all der Raserei wird mit dem immer währenden Hintergedanken „Du mußt aber noch das und das und gleich mußt Du los und erledigt ist das da auch noch nicht“ bestraft. Ich nehme mir elendsviele Dinge vor und schiebe doch alles wieder auf – und traue mich gar nicht laut zu sagen, daß ich sicher mal einen Monat nicht laufen war… Frauenlauf = canceled, weil ein 60-Minuten-Ergebnis muß ich mir auf 10 Kilometern nicht öffentlich antun.

Alles ist – ich bin – gerade völlig unrund. Und dabei könnte alles so großartig sein.

Kategorien: Alltag · Blabla · Freizeit · Sport
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Hello Kitty, Goodbye Dignity

April 29, 2009 · Kommentar schreiben

Hat jemand eine fiese Katze, die er bestrafen möchte? Dann ist das „Hello Kitty Transformations Set“ die erste Wahl. Aus Japan. Klar. Ich mag Hello Kitty. Ehrlich. Aber das ist eindeutig too much.

Kategorien: Blabla
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Musik, die dich dumm macht?

März 8, 2009 · 1 Kommentar

Virgil Griffith, Student des California Institute of Technology, veröffentlichte just eine interessante, wenn auch eher etwas „unwissenschaftliche“ Studie, die favorisierte Musik mit SAT-Tests verbindet. Letztgenannte sind zugegeben nicht frei von jeder Kritik und sicher nicht unbedingt das probate Mittel, um Intelligenz zu messen, zeigen in diesem Falle aber an, daß die schlauesten Studenten Beethoven mögen (durchschnittlicher SAT-Wert 1371), während sich am anderen Ende des Spektrums Lil’ Wayne mit einem aktuellen Hörerwert von 889 befindet. Andere Musiker weiter oben: Counting Crows, Radiohead und Sufjan Stevens.

Überraschenderweise kann man den „top score“-Bands keinen gemeinsamen Stil zuschreiben (Techno = Idioten, Britpop = Smarta$$es).

Stellt sich nun die Frage: Wählt man die Musik nach der eigenen Intelligenz oder legt die Musik, die wir hören, fest, wie smart wir werden? Wo ist Deine Lieblingsband? Kann Musik einen verblöden?

Kategorien: Blabla
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Brutalstmöglichst gesteigert

Februar 20, 2009 · 3 Kommentare

Darf’s ein bißchen mehr sein? Wenn Politik und Werbung Versprechungen machen, dann lassen sie sich nicht lumpen, da wird aus dem Optimalen noch das Optimalste herausgequetscht. Die Superlativierungs-Euphorie kennt keine Gnade, dafür umso mehr sprachliche Mißgeschicke.

Schon als Kind bekam man beigebracht, dass man „das einzige“ nicht steigern könne. „Das einzigste“ gab’s nicht. Das ging einfach nicht. War nicht korrekt. Denn „das einzige“ war schon wenig genug, „das einzigste“ folglich Unfug. Die Eltern haben’s verbessert, der Lehrer hat’s rot angestrichen.

Die Schulzeit ging vorbei, die Wege trennten sich, die einen gingen in die Werbung, die anderen in den Journalismus, und wer für beides nicht taugte, der versuchte sich in der Politik. Hier wie dort wurden die Ermahnungen der Lehrer schnell vergessen, denn man begriff, daß es ohne falsche Superlative nicht geht. Immer sollte man kreativ sein oder innovativ, das läßt sich auf Dauer ohne Drogen und super, super, Superlative nicht bewerkstelligen.

Und was gibt es nicht alles für verrückt steigerbare Wörter! Der totale Krieg war gestern, heute herrscht der totalste Wahnsinn! „Österreichs meiste Kreditkarte“ war sicherlich nur ein Slogan, der bewußt provozierend mit der Sprache spielte. Ob alle, die mit diesem lockeren Spruch bombardiert wurden, das auch so verstanden haben, muß dahingestellt bleiben. Das Bedürfnis, Wörter zu steigern, die sich eigentlich nicht steigern lassen, ist jedenfalls „enormst“. Nehmen wir uns nur ein Beispiel an jenem Rennfahrer in Monte Carlo, der die denkwürdigen Worte sprach: „Gewinnen ist das Maximalste.“ Das könnte übrigens auch als Motto in goldenen Lettern über dem Eingang des dortigen Casinos stehen.

Manche Momente sind zu schön, um einfach nur perfekt zu sein; für sie wurde die Steigerung zum „perfektesten Moment“ erfunden. Und wo wäre die Auto fahrende Bevölkerung ohne „aktuellste Verkehrshinweise“? Vermutlich völligst hinterm Mond. Doch das ist noch gar nichts gegen die Steigerungsfähigkeit des kleinen Wörtchens „optimal“. Wenn es darum geht, Menschen von irgendetwas zu überzeugen, dann ist das Beste einfach nicht bestens genug. „Dies alles garantiert Ihnen beste Beratung und optimalsten Service“, behauptet ein Schweizer Optiker im Internet. Und dabei ist er noch bescheiden, denn man hätte, mit ein bisschen Phantasie, den Bogen durchaus noch weiter spannen können, zur „bestmöglichen Beratung“ zum Beispiel, wenn nicht gar zur „idealsten“.

Dabei bedeutet „optimal“ nichts weiter als „das Beste im Rahmen der Möglichkeiten“, und das kann manchmal sehr wenig sein. Optimal ist nicht dasselbe wie perfekt, und die Steigerung zu „optimalst“ macht es nicht besser. In keinster Weise.

Diverse Computer-Anbieter werben mit der angeblich „optimalsten Hardware“, sinnieren öffentlich über die „optimalste Systemanpassung“ und die „optimalste Datenübertragungsrate“. Eine Firma verspricht sogar die „optimalste, effizienteste und möglichst kostengünstigste Lösung“; da fühlt man sich als Kunde vom König zum Königst befördert.

Apropos König: Schon Ludwig XIV., Frankreichs „L’Etat c’est moi“-Regent, herrschte ja nicht bloß absolut, sondern absolutistisch. Beim Anhängen der Silbe „-istisch“ handelt es sich zwar im strengen grammatischen Sinne nicht um eine Steigerung, sondern bloß um eine Ableitung, doch für unser Ohr hört es sich nach „mehr“ an. In Zeiten von terroristischen Anschlägen durch Glaubenseiferer wird das „-istisch“ gern verwendet, um das Böse, Gefährliche, Unberechenbare zu markieren. Manchem Schreiber ist ein -istisch nicht genug, er geht lieber auf Nummer sicher und verdoppelt den Effekt, auch wenn meistens keine sprachliche Notwendigkeit dazu besteht. Denn was ist, abgesehen von ein paar zusätzlichen Silben, der Unterschied zwischen einem fundamental-islamischen Extremisten und einem fundamentalistischen islamistischen Extremisten? Eines ist immerhin erwiesen: Wörter auf „-istisch“ lösen Alarm aus, da gehen die Leser instinktiv in Deckung.

Das tun sie natürlich auch beim Super-GAU, aber nicht beim stinknormalen GAU. Ohne den Super-Vorsatz vermag der „größte anzunehmende Unfall“ heute offenbar niemandem mehr Angst einzuflößen. Kein Wunder, denn bei all den Hyper-, Ultra- und Megalativen in der Werbung und im Infotainment ist man gegen steigerungsfreie Ankündigungen ganz normaler Katastrophen schon völlig immun.

Eine Fallgrube, in die immer mal wieder jemand stolpert, ist das aus zwei Teilen, nämlich aus Adjektiv und Partizip, gebildete Attribut. Wie herrlich einfach werden da aus „weit reichenden“ Vollmachten erst weitreichendere Vollmachten und schließlich weitreichendste Vollmachten. Die korrekte Steigerung von „weit reichend“ lautet indes „weiter reichend“, „weitest reichend“. Unlängst war in der „Tagesschau“ zu hören, der Ärmelkanal sei eine der „vielbefahrenste“ Seestraßen der Welt, statt „meist befahrenen“.

Im Wissen um diese Fehlerquelle haben die Väter der viel gescholtenen Rechtschreibreform übrigens beschlossen, dass solche Attribute nicht mehr zusammengeschrieben werden. So wurde „weitreichend“ zu „weit reichend“, „schwerverständlich“ zu „schwer verständlich“ und „gutaussehend“ zu „gut aussehend“. Damit man nicht mehr so leicht in Versuchung gerät, den falschen Teil zu steigern. Die Regel lautet: „Ist der erste Bestandteil ein Adjektiv, das gesteigert oder erweitert werden kann, dann schreibt man getrennt.“

Dies wird andere aber nicht davon abhalten, weiterhin von höchstqualifiziertesten Bewerbern, meistbesuchtesten Messen und bestangezogensten Filmstars zu sprechen. So bejubelte ein Plattenkritiker in der „Süddeutschen Zeitung“ das neue Album eines Rap-Sängers als „eines der schnellstverkauftesten der Popgeschichte“.

Hübsch ist in diesem Zusammenhang auch der Kommentar Heiner Geisslers zur Garderobe seiner Parteivorsitzenden Angela Merkel: „Am besten“ sei das klassische unauffällige Kostüm, sagte er, „noch besser der Hosenanzug“. Komparativ als Steigerung des Superlativs, das ist nicht unbedingt logisch, in diesem Fall aber immerhin originell.

Anyway, wer mit Hochstapelei nichts im Sinn hat, wird es begrüßen, wenn nicht alles bis ins Unermesslichste gesteigert wird. Manchmal dient es einer Sache mehr, wenn man auf Komparativ und Superlativ verzichtet und einfach auf dem Teppich bleibt. Den nennen die Grammatikaner übrigens „Positiv“. In diesem Sinne bleibt uns nur, auf positivste Zustimmung zu hoffen. Bestmöglichste Grüße, die Predigerin!

Kategorien: Alltag · Arbeit · Blabla
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Es hundelt

September 14, 2008 · Kommentar schreiben

Wien riecht nach Hund. Der Wind bläst einem den schlechten Atem der Bundeshauptstadt ins Gesicht, während man durch ihre Gassen schlendert. Köterkacke wo man geht und steht, soweit das Auge reicht, vom ersten bis zum letzten Bezirk, ohne Ausnahme. Kleine schwarze Chihuahua-Häufchen, dicke bräunliche Berge, jedwede Couleur und Konsistenz ist vertreten. Manchmal überraschen sie einen selbstbewußt mitten am Gehsteig, manchmal verstecken sie sich hinterlistig unter Zeitungspapier oder Laub, manche sind dezent im Rinnstein platziert.

Über eine halbe Million Hunde leben in diesem Land, allein offiziell 50.000 in Wien, wobei die Dunkelziffer weit höher ist, und mit ihren Exkrementen ließe sich jährlich ein sechs Kilometer langer Gütezug füllen. Leider nur verrichten die Hunde ihr Geschäft nicht in Güterzügen, sondern überall anders. Am liebsten direkt unter unsere Schuhsohlen, Fahrrad- und Kinderwagenreifen.

Natürlich ist es nicht ganz rechtens, die armen Vierbeiner auf ihre Ausscheidungen zu reduzieren. Es gibt weitaus mehr, was ich an Hunden unsympathisch finde. Ihr Fell riecht, wenn es naß wird. Sie sabbern. Sie lecken und schnüffeln an allem herum. Sie sind im Vergleich zu Katzen ständig aufgeregt. Manche bellen, andere beißen und viele tun beides, obgleich es da so ein Sprichwort gibt, das Gegenteiliges behauptet. Ich weiß es besser! Und einige sehen auch noch komisch aus! Viele humpeln, haben tränende Augen oder können keine Treppen steigen, weil genetische Defekte, die bestimmte Menschen schön finden, weiter gezüchtet wurden. Den meisten Hunden traue ich nicht. Sie sind Kriecher, die nach oben kuschen und nach unten wegbeißen. In diesem Punkt sind Hunde schon auch ein bißchen österreichisch.

Das schlimmste an ihnen sind jedoch ihre Besitzer. Nehmen wir jene vornehmen Damen als Beispiel, die zwar gegen genetisch manipulierte Tomaten sind, aber sich nichts dabei denken, Hunde „mit ohne“ Nase hinter sich herzuziehen.

Wer kein Hundehasser ist, sondern wie ich ein aufgeklärter Hundeskeptiker mit Urängsten vor aufdringlichen Fellträgern, muss zugeben, dass sie für das meiste, was sie zum Feindbild macht, nichts können. Unterhalb einer Elite engagierter Hundekenner tummeln sich Millionen von Menschen, die lieber Kakteen oder Gartenzwerge Gassi führen sollten. Was können die Tiere dafür, wenn ihre Besitzer sie überall hinmachen lassen? Was können sie dafür, dass dieses öffentliche Ärgernis mit einem Maß an Toleranz übergangen wird, das jede menschliche Minderheit vergeblich für sich proklamiert?

Bürgerbewegungen fordern Ampeln oder reißen Genmais aus, aber niemand wehrt sich dagegen, dass ganze Städte mit Ausscheidungen vermint sind. Pensionisten verpetzen Falschparker und halten Radfahrern in der Fußgängerzone Krückstocke in die Speichen. Aber warum lauern sie nicht in den Büschen und pöbeln Mitbürger an, wenn diese ihren Köter fürs Geschäft in den Park dirigieren? Dabei ist dies eine Ordnungswidrigkeit, die – wie uns seit kurzem etwa eine Milliarde „Nimm ein Sackerl für mein Kackerl“-Aufsteller in Wien erklären – mit Geldbußen verbunden ist.

Würde ich eine Ich-AG gründen, die im Auftrag des Senats Strafzettel an unverbesserliche Hundausführer verteilt, dann könnte ich von den Einnahmen allein in unserem Wohngebiet einen fürstlichen Lebensstil finanzieren. Denn viele angebliche Tierliebhaber gehen irrtümlich davon aus, dass sie sich mit der Hundesteuer ein landesweites Sch… Privileg erkauft haben. Und viel zu wenige Hausbesitzer haben Schilder am Zaun hängen wie jenes, das ich kürzlich in Berlin gesehen habe: „Wenn Sie nicht wollen, dass ich Ihnen auch mal vor die Tür scheiße, nehmen Sie Ihren Hund hier weg!“

Das Schilderprivileg haben die Herrchen. An unzähligen Gartentoren prangt eine unverblümte „Warnung vor dem Hunde“. Warum öffnen Briefträger und andere Besucher solche Türen überhaupt? Sollen sich die Besitzer dieser Schilder ihre Post doch selbst abholen oder von ihrem Hund bringen lassen!

Die Höhepunkte des Hundeswahns bewundere ich regelmäßig in Dokumentationen im Privatfernsehen. Neulich habe ich sogar eine „Tier-Nanny“ gesehen, die neurotische Hunde psychologisch behandelt. Bisher dachte ich, sowas gibt es nur für Menschen wie Madonna, deren Hunde auf der 5th Avenue einkaufen und Kabbala-Bänder um den Hals tragen. Aber auch bei uns fühlt sich auch Fiffi aus Pinkafeld etwas matt und braucht dringend eine Akupunktur. Zahlt das die Kasse?

Wenn ich beim Joggen von einem freilaufenden Hasso gestellt werde, spazieren dessen Eigentümer meist enervierend gemütlich heran. Wider besseres Wissen behaupten sie dann Dinge wie „Der spielt nur“ oder „Der tut nix“, während Hundi an meinen Schuhen nagt. Manchmal überlege ich dann, Frauchen an meine verschwitze Brust zu ziehen und ihr mit meiner Zunge gründlich übers Ohr zu schlabbern. Doch bisher habe ich der Versuchung stets widerstanden. Diese zivilisationsverdorbenen Spießer würden meine Geste nicht verstehen.

Kategorien: Alltag · Blabla
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Endstation Liesing

September 1, 2008 · 1 Kommentar

Können Sie sich das vorstellen? Vorgestern – oder besser in den frühesten Morgenstunden des gestrigen Tages – war ich unterwegs auf einer Höllenfahrt. Und das kam so: Um acht am Abend war man zum gemeinsamen Tagesausklang mit dem Liebsten unterwegs in den vierten Wiener Gemeindebezirk, um dort den Richard und die Julia in deren trauter Behausung zu treffen. Man frönte mehr oder minder freiwillig dem Zusammensitzen bis halb drei in der Früh und machte sich dann orientierungslos, weil man den Vierten ja nicht wie seine Westentasche kennt, auf den Heimweg. Die Worte Richards klangen noch im Ohr: „Einfach links heraus aus der Tür, zwanzig Meter, dann ist da schon ein Taxistand“. Stimmte aber nicht. Stattdessen erspähten wir eine Nachtbushaltestelle, an der sich auch gerade ein Bus zur Abfahrt bereit machte. Kichernd und an wilde Zeiten erinnernd entschlossen der Liebste und ich uns dazu, doch wieder einmal ein wenig „retro“ zu sein und mit dem roten Ungetüm gen Heimat zu brausen. Wir erreichten mit letzter Kraft den bereits blinkenden N66, der uns angeblich (!) zum Kärntner Ring und der Oper chauffieren sollte, wo man in den N38 umsteigen und sich gemütlich heimfahren lassen wollte. Doch ach, welch’ Schreck, als man feststellte, daß man in die entgegengesetzte Richtung unterwegs war und plötzlich an der Anzeige im Bus der Name „Schöpfwerk“ aufschien! Jetzt aussteigen? Nein, sinnlos, da müßte man ja dann ewig irgendwo herumstehen und warten und hoffen, daß alsbald ein Gefährt in die andere Richtung käme, was selbstverfreilich nie der Fall gewesen wäre. Man hätte ausharren müssen, bis der Bus, dem man just entsprungen, seine Runde gedreht und einen erneut eingesammelt hätte! Man kennt das ja, also gaben wir uns keinen glücklichen Illusionen hin, sondern fügten uns in unser Schicksal und fuhren bis Liesing – und dann wieder zurück. Nach einer Stunde und fünfzehn waren wir an dem Ort angekommen, an dem alles begann. Restart. Nach einer weiteren Viertelstunde erreichten wir die Oper, nach zehnminütigem Warten kam der richtige Bus gen Nußdorfer Platz und weitere fünfzehn Minuten später waren wir endlich am Ziel unserer Reise. Haben Sie mitgerechnet? Eine Stunde, siebenundfünfzig Minuten. Für den „Hinweg“ brauchten wir knapp 20 Minuten – inklusive Wartezeit auf die U-Bahn und Bim. Phantastisch, sage ich Ihnen. Phantastisch. Das nächste Mal sch***en wir auf das Schwelgen in alten Zeiten und nehmen uns, wie sich das für Leute in unserem Alter gehört, wieder ein Taxi.

Kategorien: Blabla · Freizeit
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