
Nee, eigentlich gar nicht. Angeregt durch den Herrn Rennradfahrer machte ich mir Gedanken um den Bike-Kauf aus Sicht einer Frau und kam zu dem Schluß, daß mich eigentlich die typischen Frauenprobleme, sprich falsche Geo und zu große Rahmenhöhe, kalt lassen. Was mich nicht kalt läßt, sind Frauenbikes. Also doch ein Frauenproblem?
Aber der Reihe nach.
Ja, ich bin klein. Mit nicht einmal 1,60 m schwing’ ich mich natürlich nicht auf einen 52er oder 54er Rahmen. Meine stilsichere Vorliebe für italienisches Material hingegen bringt mich auf die sichere Seite. Italiener sind klein, glauben das von allen anderen auch, und bauen ihre Wiliers z.B. schon ab XS (48 cm).
Desweiteren habe ich das Glück, daß ich im Verhältnis zu meinem Oberkörper recht lange Beine habe, was mir bei der Geometrie entgegen kommt. Kleiner Lenker (36er von Specialized), kurzer Vorbau – und geht schon.
Fazit: Ich passe auf Herrenbikes mit dezenten Modifikationen. Aber Rennräder kauft man ja eh in Teilen. Ich zumindest.
Bei meiner Radsuche (als Typ „Sammler“ suche ich recht häufig) sind mir natürlich auch schon spezielle Damenräder untergekommen. Die jedoch sind IMHO zum einen totaler Marketing-Nepp, und zum anderen sowas von häßlich und degradierend, daß man sich damit ja nirgends sehen lassen kann.
Tiefes Oberrohr? Klar, hatte meine Oma auch.
Blümchendekor? Damit wirkt man beim Glocknerkönig sicher wie ein ernstzunehmender Gegner.
Dreifachkurbel? Stylepolizei, bitte verhaften Sie den Besitzer.
Kompaktkurbel? Peinliche Entschuldigung für zu wenig Training.
Und beantworten Sie mir mal eine Frage: Warum kostet ein Alu-Damenrenner mit Shimano Sora (!) 1.500 Euro oder mehr, während ein genauso ausgestattetes Radl in der regulären Männervariante nicht einmal die Tausender-Schallmauer durchbricht (es sei denn, auf dem Rahmen steht Specialized, Kuota oder KTM – aber das ist ein andere Geschichte)? Wenn das keine Abzocke ist…
Irgendein geschickter Marketing-Dodel hat’s ersonnen und schon fährt die konsumgeile Radsportwelt darauf ab. Die Emanzen unter den Radfahrerinnen haben’s ja eh gern ein wenig individuell und vor allen Dingen „speziell auf die Bedürfnisse der weiblichen Anatomie abgestimmt“. Weil auf einem Herrenrad gibt’s ganz böse Kreuzweh, man kommt mit den kleinen Händchen nicht zu den Bremshebeln und sowie sitzt „Mann“ ganz anders am Radl als „Frau“. Eh klar. Wenn man’s nur oft genug sagt, glaubt’s auch jemand. In diesem Fall glauben’s genug, sonst würde das Angebot an floral bepinselten, mega-sloping designten, subklassisch ausgestatteten Rennern zu überhöhten Preisen nicht stetig wachsen.
Ich brauch’ keine „Damengeometrie“, obwohl ich mit meinen Körpermaßen in den Köpfen geifernder Produktmanager sicher zur Idealzielgruppe zählen würde. Selbst mir kurzem Menschlein paßt ein Herrenrad. Darüber sollte man resp. frau mal nachdenken, bevor Geld für einen Modetrend aus dem Fenster geworfen wird.
PS: Mein Mountainbike hat übrigens sogar einen M-Rahmen – ich mag nicht so „gestaucht“ sitzen…
PPS: Ich weiß, ich werde den Zorn einiger Leser auf mich ziehen, die versuchen werden, mich eines „Besseren“ zu belehren. Sorry, Leute, ich sag’ Euch schon jetzt: in diesem Punkt bin ich stur.
















