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Service ist Vergangenheit

Oktober 13, 2008 · Kommentar schreiben

Ich weiß ja nicht, ob Ihnen das schon aufgefallen ist. Vielleicht bin ich die einzige, die das merkt. Wenn man Dinge erzählt oder beschreibt, die gerade passieren, dann benutzt man dazu meist das Präsens. Also zum Beispiel „Ich geh’ mal schnell Zigaretten holen“ als Abschiedsfloskel, wenn man just dabei ist, seine Beziehung zu beenden.

Im Dienstleistungs-, allen voran im Servicebereich der Gastronomie läuft das aber irgendwie anders. Da ist man zum Beispiel in einer Bar und sagt dem Kellner, was man will. Und der antwortet ohne Aufzusehen während des Notierens der Bestellung auf einem Block: „Sie wollten den Caipirinha, richtig?“ Wollten? Wieso wollten? Ich will ihn immer noch! Ist ja gerade mal 30 Sekunden her, daß ich ihn mir ausgesucht habe! Und wenn der Cocktail dann an den Tisch gebracht wird, dann sicher garniert mit der Frage „Wer bekam den Caipirinha?“ Noch hat ihn keiner bekommen, kann man in solchen Fällen nur antworten, aber ich wäre sehr dankbar, wenn man ihn zu mir stellen könnte!

Aber das ist ja lange noch nicht alles. Man geht in ein Restaurant und sagt am Entrée: „Guten Abend, ich habe einen Tisch für vier Personen bestellt.“ Und als Antwort des Empfangschefs bekommt man zu hören „Natürlich. Wie war Ihr Name?“ Ich habe seit der Reservierung weder geheiratet, noch eine Namensänderung behördlich vollziehen lassen oder wurde ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Mein Name ist also immer noch derselbe. Und sowieso: Was hätte den Herrn interessiert, wie mein Name war? Ich würde ja sowieso nicht auf den Mädchennamen meiner Mutter oder was auch immer, sondern immer auf meinen aktuellen reservieren. Oder?

Imperfekt der Höflichkeit, schimpft sich das alles. Und er findet seinen Höhepunkt im Proll-Beisl: „Waren Sie das Schnitzel mit Pommes?“

Soll freundlicher klingen, nicht zu persönlich und distanziert höflich. Aber mal ganz ehrlich: Ist das nicht alles total merkwürdig? Da gehe ich das nächste Mal doch lieber wieder in diese schräge Bar im ersten, wo der Kellner aus Thailand einfach nur sagt: „Was wollen trinken?“

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… and i’m rolling, rolling, rolling, rolling…

September 1, 2008 · Kommentar schreiben

Ich saß am Montagabend mit den Herrschaften von Vicious Dreams zusammen, so einer kleinen feinen Electro-Combo mit Stammsitz in Wien. Für die habe ich nämlich vor langer Zeit Photos gemacht – und dieses Mal keine Perversen, sondern so richtige „Bandpics“, wie man es wohl in der Fachsprache nennt. Nach zwei Shootings und wochenlanger Bastelarbeit waren die Bilder nun fertig und sollten übergeben werden.

Man traf sich zu diesem Zwecke einem wirklich edlen Kaffeehaus auf der Währingerstraße („Weimar“, wenn es Sie interessiert. Es heißt nur so, es ist nicht in der Zone, sein Inventar verbreitet kein nostalgisches DDR-Feeling und auch sonst erinnert nichts an „drüben“), saß eine Weile beisammen und plauderte und schließlich begann Guido Vicious-Dreams, sich eine Zigarette zu wuzzeln. Wie das immer so ist, bei Dingen, die ich nicht verstehe, blickte es aufmerksam auf die sich flink bewegenden Finger, die aus einem Klumpen Tabak, einem winzigen Blatt Papier und einem kleinen weißen Röllchen eine echte Zigarette formten. Guido Vicious-Breams bemerkte natürlich sofort das Starren und verschaffte mir Aufklärung in Sachen selbstgebasteltem Rauchwerk. All das hörte sich grandios an – was nicht nur an den Worten „viel billiger“ lag, sondern auch daran, daß man aufgrund des Drehens viel bewußter eine Zigarette rauchen würde und dann auch noch weniger!

Schnurstracks ging ich überzeugt am nächsten Tag in eine Trafik und erstand ein Packerl Tabak, Papers und Filter und machte sich mit Fernsehuntermalung auf der heimischen Couch daran, ihren ersten Zigaretten-Coup zu landen – was natürlich völlig in die Hose ging, denn was da meinen formenden Händen entsprang, hatte wenig Ähnlichkeit mit einer Tschik. Der Tabak fiel fast wieder heraus, das Papier klebte nicht dort, wo es sollte und auch sonst war alles eine große Blamage.

Nach nunmehr Tag zwei des Übens (inzwischen hat sich eine kleine Schachtel voll „Selbstgewuzzelter“ angesammelt, weil ich vor lauter Drehen nicht zum Rauchen komme – auch eine Taktik, übrigens) sieht das alles aber viel besser aus, und ich werde Ihnen in naher Zukunft mal so ein Ding anbieten. Seien Sie gespannt.

Herzlichst,
st4rbucks

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