Sie ist jetzt offiziell eine MILF: Hello Kitty ist 35 geworden! Ein Grund zu feiern. Und das nicht nur für mich, die ich seit Jahren dem herzergreifend süßen Gesichtchen der japanischen Kultkatze verfallen bin, sondern auch für andere gestandene Weibsbilder, was ein gutes Zeichen dafür ist, daß ich nicht völlig durchgeknallt bin – oder zumindest nicht allein.
Angefangen hat alles mit einer Geldbörse von der Oma vor ungefähr 20 Jahren (ach du Schreck!) und zieht sich seitdem wie ein rosaroter Faden durch mein Leben. Auch der Kitty-Vibrator der Krone-Kollegen konnte allerdings nicht wettmachen, daß Sanrio mir das Sponsoring meines Radtrikots verweigert hat (und so ein Girlie-Team in Pink hätte doch einfach einen famosen Werbeeffekt gehabt). Meine Liebe zu Kitty bleibt jedoch trotz dieses Tiefschlags ungebrochen und aufrichtig.
In diesem Sinne: お誕生日おめでとう, Hello Kitty!
PS: Leseempfehlung am Rande: 10 Questions for Yuko Yamaguchi (Hello Kitty’s designer) here and here
Vor wenigen Tagen habe ich auf Flickr zwei Photos (eins, zwei) gepostet, sie mit eindeutigen Tags versehen und auf Reaktionen gewartet.
Das Ergebnis ließ mich zwischen Erschütterung, Wut und einer Menge Unverständnis schwanken. Ja, Schönheitsideale befinden sich immer im Wandel und allein in den letzten 20 Jahren hat sich vieles geändert. Man schaue sich zum Beispiel einmal Models in der Vogue um 1980 an:
… und vergleiche sie mit heutigen Topverdienerinnen der Branche:
Wenn das letzte Mädel die heutige Norm ist, wundert mich nicht mehr, daß meine Photos mit „Wow, beautiful“ kommentiert wurden und nicht eine einzige Person trotz aussagekräftiger Keywordangabe wenigstens ein „Sad“ über die Lippen brachte.
Nichtsdestotrotz IMHO eine traurige Entwicklung, einen kranken, ausgemergelten Körper als „schön“ zu empfinden. „Pro-Ana“ überall? Zum Glück hat sich meine Sicht der Dinge geändert.
In der Mittagspause im Sommer im Museumsquartier sitzen – hat man einen gut gelegenen Arbeitsplatz so wie ich, gehört das zu den Highlights des Bürotages. Und abends mit Freunden in der untergehenden Sonne chillen, sich auf einem Enzi lümmeln und gemeinsam plaudern, lachen, Spaß haben. Das MQ ist genau der richtige Ort.
War der richtige Ort. Dennirgendwelche findigen Leute haben sich etwas ausgedacht, was die Lebensqualität im MQ verdächtig sinken läßt.
War das Areal des Museumsquartiers bisher als Ort der angenehmen Atmosphäre und des entspannten Verweilens geschätzt, an dem man auch mit kleinerem Budget einen gemütlichen Abend mit selbst mitgebrachten Getränken verbringen konnte, herrschen dort mittlerweile andere Regeln:
„1. Das Konsumieren von alkoholischen Getränken, die nicht in den Gastronomie-Betrieben des MQ erstanden und in MQ Mehrwegbechern ausgeschenkt wurden, ist nicht gestattet.“
Doch damit nicht genug: neben Radfahren, Skateboarden und Inlineskaten wurde an diesem Ort der Kultur auch das Musizieren verboten:
„5. Das Musizieren und Abspielen von HIFI Geräten ist nicht erlaubt.“
Interessant auch die Interpretation folgender Regel:
„6. Das Freihalten sämtlicher Zugänge, Gehwege, Stiegen und Stufen ist aus Sicherheitsgründen unbedingt erforderlich.“
Unter Anwendung dieser Regel wurde sogar verboten, auf der Betonstufe um die Bäume zu sitzen.
Dabei handelt es sich IMHO beim MQ um einen „öffentlichen Ort“, der zudem noch durch Steuergelder finanziert wird. Derartige Regeln und Beschränkungen sind faktisch also gar nicht zulässig.
Mein persönliches Highlight in der ersten Folge von „Erwachsen auf Probe” war ja diese Szene:
Hatte die Frau noch Tischdeckenstoff übrig und hat daraus eine Bluse gemacht? Hatte sie noch Blusenstoff übrig und hat daraus eine Tischdecke gemacht? Oder gibt es Läden, in die man gehen kann und sagen: Ja, schöne Tischdecke, und jetzt hätte ich dazu gerne noch eine passende Bluse, für wenn das Fernsehen mal kommt?
Ich weiß auch nicht, ob das total menschenverachtend ist, dass die Fernsehleute die Frau gleich bloßstellen und Bluse und Tischdecke gleichzeitig in einem Split-Screen zeigen. Oder ob die Frau womöglich darauf bestanden und gesagt hat: Aber ich mach nur mit, wenn ihr zeigt, dass ich zu der Bluse auch eine passende Tischdecke habe.
Aus irgendeinem Grund hat mich das Arrangement an die frappierende Dominanz von Fliesentischen in den Wohnzimmern der Art Menschen erinnert, die Kamerateams von RTL oder Pro Sieben in ihr Haus lassen. Gerade gestern bin ich (in einer ohnehin überdurchschnittlich bizarren Folge von „Mitten im Leben”) auf folgende Wohnzimmersituation gestoßen:
Persönlich kenne ich exakt null Menschen, die einen Fliesentisch ihr eigen nennen oder eine Tischdecke passend zur Bluse haben. Aber das entspricht ja genau der Zahl der Menschen, die ich kenne, die schon mal bei „Mitten im Leben”, „Erwachsen auf Probe” oder in ähnlichen Sendungen mitgewirkt haben.
Der Papst rockt! Oder versucht’s zumindest. Während His Holiness noch vor wenigen Monaten, genauer gesagt im Jänner, wüst gegen Facebook wetterte („If the desire for virtual connectedness becomes obsessive, it may in fact function to isolate individuals from real social interaction“; überspitzte Kernaussage: Webfreunde sind doof, nur echte Freunde sind gut), geht’s ab morgen Web 2.0-mäßig im Vatikan so richtig rund. Ganz nach dem Vorbild von US-Präsident Obama will sich die Katholische Kirche international im Web etablieren und ihre rund eine Mmilliarde Mitglieder über Web 2.0-Angebote vernetzen. Am morgigen Donnerstag wird eine neue Webseite von Papst Benedikt XVI unter dem Titel „pope2you“ starten, die in erster Linie auf ein jugendliches Publikum abzielt. „Es soll eine Website für junge Menschen sein. Schon die Eingangsseite zeigt das: der Papst mitten unter Jugendlichen“, so Erzbischof Claudio Maria Celli, Präsident des Päpstlichen Medienrates, bei der Präsentation der neuen Plattform.
Die Webseite ist laut Celli darauf ausgerichtet, in ein Gespräch mit jungen Leuten zu kommen, das möglichst offen und reichhaltig sein soll. Sie würde eine Reihe von Angeboten umfassen, die den Surfgewohnheiten der Jugend angepasst wären. So gehöre etwa auch ein nach Wikipedia-Vorbild gestalteter Auftritt namens „Wikicath“ dazu. „Die Seite wird zum Start in fünf verschiedenen Sprachen angeboten, dazu zählt auch Deutsch“, sagt Erich Leitenberger von der Katholischen Presseagentur Österreich . Auch ein Link zur Facebook-Seite des Papstes werde dabei sein. „Dort schreibt er zwar bisher noch nicht selbst, es sind aber zahlreiche Texte vom Papst auf der Facebook-Page abrufbar“, erklärt Leitenberger. Zusätzlich zu den Web-Angeboten auf pope2you soll es auch eine iPhone-Anwendung des internationalen Nachrichtenkanals „H20news“ geben.
Unser aller Held Papst Benedikt konnte sich zwar erfolgreich diversen Geschlechtsverkehren entziehen (zumindest behauptet er dies), ist dem Thema Social Networks aber auch verfallen. Nicht, daß das jetzt zu verteufeln wäre (darf man das Wort im Zusammenhang mit dem Papst überhaupt verwenden?), aber ein bißchen komisch ist das schon, oder? Wobei es ja nichts Innovatives für die katholische Kirche ist, neue Welten zu entdecken und deren Bewohner zu bekehren, sondern quasi Kernkompetenz.
Wie dem auch sei und wie jeder auch dazu steht: Ich wollte das nur mal gesagt haben. Papst auf Twitter, Papst auf YouTube, Papst auf Facebook, Papst überall. Mir persönlich macht das Angst. Und ich bin der festen Überzeugung, daß jedes Mal irgendwo auf der Welt ein kleines Kätzchen stirbt, wenn Ratzi von irgendeinem religiös-hysterischen Teenager „gefriended“ wird.
Und schon wieder ein geniales Musikvideo, dieses Mal von BrotherSister aus Australien. „Still Run“ ist von Dante Nou und einfach ein gelungenes Stück Clip-Kunst.
Am Wochenende lief auf Arte die Dokumentation „Flipping Out“ über ehemalige israelische Soldaten, die ihren Dienst abgeleistet haben und von ihrem Abschlusssold nach Indien reisen, dort ausflippen und versuchen, mit Drogen die Kriegserlebnisse zu vergessen. Die Doku ist online bei Arte für sieben Tage anzusehen.
Nach Ableistung ihrer dreijährigen Wehrpflicht erhalten junge Israelis – Männer wie Frauen – einen Abschlusssold von 15.000 Schekel. Viele verwenden diese Abfindung für eine Reise nach Indien. Dort investieren sie das Geld in Drogen aller Art. Sie rauchen Wasserpfeife, liegen in Hängematten und feiern ausgelassen bis in die Morgenstunden. Dennoch können sie nicht entspannen. Viele der ehemaligen Rekruten sind von den Militäreinsätzen in den besetzten Gebieten traumatisiert. Und der exzessive Drogenkonsum hat weitere schwerwiegende Folgen für die ohnehin schon labile Psyche.
Jährlich benötigen rund 2.000 der israelischen Aussteiger nach ihrem Indientrip wegen des “Flipping out” genannten Phänomens professionelle Hilfe. Einige von ihnen leiden unter Paranoia und verschanzen sich, aus Angst ermordet zu werden, in Hütten. Andere stellen sich fiktive neue Lebensaufgaben und versuchen zum Beispiel die indische Region Goa in einen Orangenhain zu verwandeln – notfalls mit Waffengewalt. Zahlreiche religiöse und weltliche Organisationen nehmen sich der mitunter noch sehr jungen Leute vor Ort an und veranlassen Rehabilitierung und Rückreise.
Über zwei Jahre lang begleitete Filmemacher Yoav Shamir (”Checkpoint”, “5 Days”) die israelischen Aussteiger. Sein dritter politischer Dokumentarfilm “Flipping out” zeichnet das Bild einer tragisch-komischen Gesellschaft, die aus den Fugen geraten ist. Die skurrilen Porträts bezeugen tiefgreifende Psychosen, in denen sich traumatische Kriegserlebnisse untrennbar mit der Euphorie über die wieder gewonnene Freiheit vermischen. Der Gedanke an eine Rückkehr ins zivile Leben scheint für viele in ungreifbarer Ferne zu liegen.
Virtuelle Beziehungen eskalieren grundsätzlich, und zwar in jede Richtung – vertikal wie horizontal, vektorial, auktorial, intermedial und spirituell. Ob es sich um eine freundschaftliche, eine erotische oder eine Arbeitsbeziehung handelt, im virtuellen Raum wird Liebe zu Hass und Hass zu Liebe. Das Medium scheint einen Katalysatoreffekt auf Gefühle aller Art zu haben. Liegt es wirklich am Medium? Ich glaube nicht.
Es liegt daran, dass wir monadengleich in viereckigen Kästen hocken und auf viereckige Kästen starren, die uns Informationen, Emotionen und Tagesbefindlichkeiten verschiedenster Individuen transportieren – an der Monade, die sich mit verschiedenen technischen Hilfsmitteln eine soziale Interaktion simuliert, die gar nicht stattfindet.
Schlössen wir in einer Art Gedankenexperiment einen einzelnen Hund an den virtuellen Raum an und überfluteten ihn mit den Informationen anderer Hunde, würde er wahrscheinlich versuchen, sich selbst die Kehle durchzubeißen oder mit sich selbst zu kopulieren.
Warum?
Turid Rugaas, eine norwegische Hundetrainerin, hat heraus gefunden, daß Hunde über ein breit gefächertes Repertoire von so genannten calming signals verfügen – Zeichen, die Konflikte entschärfen und Spannungen abbauen sollen.
Allein gelassen vorm Computer ist der arme Hund weder in der Lage, calming signals zu empfangen, noch, welche zu senden. Also wird er verrückt.
Menschen kennen ebenfalls Beschwichtigungssignale: mit den Augen zwinkern, eine Hand auf den Arm legen, ein Lächeln oder ein Lachen. Befinden wir uns nicht gerade mit Hilfe eines Cybersuits oder einer Videokonferenz im virtuellen Raum, haben wir keine Möglichkeit, konfliktlösende Signale zu senden oder zu empfangen. Die geschriebene Sprache, wie sie in eMails, Foren oder Weblogs verwendet wird – reicht dazu nicht aus, birgt eine Fülle von Möglichkeiten für Mißverständnisse und Fehlinterpretationen.
Es gibt also nur drei Wege, die wir gehen können:
Wir gehen offline und lassen uns vom echten Leben annerven, bis wir wahnsinnig werden.
Wir bleiben im Internet und verlieren den Verstand.
Wir treiben die technologische Entwicklung des Cybersuits voran.
Punkt 3 bietet nicht die Garantie für uneingeschränkte geistige Gesundheit, hätte aber den Vorteil, daß endlich jeder Sex haben könnte, ohne vorher eine real existierende Person mühsam dazu überreden zu müssen: Alle hätten die ganze Zeit Sex wie verrückt mit ihrem idealen virtuellen Partner.
Das klingt für mich irgendwie nach der erfreulichsten Lösung.
Virgil Griffith, Student des California Institute of Technology, veröffentlichte just eine interessante, wenn auch eher etwas „unwissenschaftliche“ Studie, die favorisierte Musik mit SAT-Tests verbindet. Letztgenannte sind zugegeben nicht frei von jeder Kritik und sicher nicht unbedingt das probate Mittel, um Intelligenz zu messen, zeigen in diesem Falle aber an, daß die schlauesten Studenten Beethoven mögen (durchschnittlicher SAT-Wert 1371), während sich am anderen Ende des Spektrums Lil’ Wayne mit einem aktuellen Hörerwert von 889 befindet. Andere Musiker weiter oben: Counting Crows, Radiohead und Sufjan Stevens.
Überraschenderweise kann man den „top score“-Bands keinen gemeinsamen Stil zuschreiben (Techno = Idioten, Britpop = Smarta$$es).
Stellt sich nun die Frage: Wählt man die Musik nach der eigenen Intelligenz oder legt die Musik, die wir hören, fest, wie smart wir werden? Wo ist Deine Lieblingsband? Kann Musik einen verblöden?
Ich weiß ja nicht, ob Ihnen das schon aufgefallen ist. Vielleicht bin ich die einzige, die das merkt. Wenn man Dinge erzählt oder beschreibt, die gerade passieren, dann benutzt man dazu meist das Präsens. Also zum Beispiel „Ich geh’ mal schnell Zigaretten holen“ als Abschiedsfloskel, wenn man just dabei ist, seine Beziehung zu beenden.
Im Dienstleistungs-, allen voran im Servicebereich der Gastronomie läuft das aber irgendwie anders. Da ist man zum Beispiel in einer Bar und sagt dem Kellner, was man will. Und der antwortet ohne Aufzusehen während des Notierens der Bestellung auf einem Block: „Sie wollten den Caipirinha, richtig?“ Wollten? Wieso wollten? Ich will ihn immer noch! Ist ja gerade mal 30 Sekunden her, daß ich ihn mir ausgesucht habe! Und wenn der Cocktail dann an den Tisch gebracht wird, dann sicher garniert mit der Frage „Wer bekam den Caipirinha?“ Noch hat ihn keiner bekommen, kann man in solchen Fällen nur antworten, aber ich wäre sehr dankbar, wenn man ihn zu mir stellen könnte!
Aber das ist ja lange noch nicht alles. Man geht in ein Restaurant und sagt am Entrée: „Guten Abend, ich habe einen Tisch für vier Personen bestellt.“ Und als Antwort des Empfangschefs bekommt man zu hören „Natürlich. Wie war Ihr Name?“ Ich habe seit der Reservierung weder geheiratet, noch eine Namensänderung behördlich vollziehen lassen oder wurde ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Mein Name ist also immer noch derselbe. Und sowieso: Was hätte den Herrn interessiert, wie mein Name war? Ich würde ja sowieso nicht auf den Mädchennamen meiner Mutter oder was auch immer, sondern immer auf meinen aktuellen reservieren. Oder?
Imperfekt der Höflichkeit, schimpft sich das alles. Und er findet seinen Höhepunkt im Proll-Beisl: „Waren Sie das Schnitzel mit Pommes?“
Soll freundlicher klingen, nicht zu persönlich und distanziert höflich. Aber mal ganz ehrlich: Ist das nicht alles total merkwürdig? Da gehe ich das nächste Mal doch lieber wieder in diese schräge Bar im ersten, wo der Kellner aus Thailand einfach nur sagt: „Was wollen trinken?“